Die Schweiz gehört zu den teuersten Immobilienmärkten der Welt. Gleichzeitig ist das Schweizer Hypothekarsystem komplex — mit strengen Eigenkapitalregeln, einem 5%-Kalkulationszins und einer Vielzahl von Anbietern, die sich stark unterscheiden. Wer diese Spielregeln nicht kennt, verliert.

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Nur die Hausbank anfragen — und das erste Angebot akzeptieren

Das ist mit Abstand der häufigste und teuerste Fehler. Die meisten Erstkäufer gehen zuerst zu ihrer Hausbank — vertrautes Gesicht, einfacher Ablauf, kurzer Weg. Das Resultat: ein Angebot, das oft 0,2–0,4 % über dem Marktbesten liegt.

Bei einer CHF 700'000 Hypothek und 0,3 % Zinsdifferenz über 10 Jahre sind das CHF 21'000 mehr Zinsen. Für nichts. Die Bank weiss: Stammkunden vergleichen selten. Also bieten sie weniger als ihre besten Konditionen an.

Lösung: Mindestens 3–5 Angebote einholen — Kantonalbank, Grossbank, Versicherung und ein unabhängiger Vermittler. Der beste Zeitpunkt ist vor dem Notartermin, nicht nach der Zusage.
2
Den Kaufpreis nicht prüfen lassen — und kurz vor dem Notartermin überrascht werden

Banken belehnen nicht den Kaufpreis, sondern ihren internen Schätzwert. Das ist ein entscheidender Unterschied. Schätzt die Bank den Wert einer Immobilie tiefer als der vereinbarte Kaufpreis, müssen Sie die Differenz aus eigener Tasche decken.

Beispiel: Kaufpreis CHF 950'000. Bankschätzwert: CHF 870'000. Maximale Hypothek: CHF 870'000 × 80 % = CHF 696'000 statt CHF 760'000. Die Differenz von CHF 64'000 müssen Sie zusätzlich einbringen — oder der Kauf platzt.

Wann ist das Risiko besonders hoch?

Bei Immobilien in sehr gefragten Lagen (Preisaufschläge über dem Markt), bei Renovationsobjekten mit schlechtem Zustand und bei Liegenschaften, die schnell verkauft werden müssen. In diesen Fällen liegt der Kaufpreis häufig über dem bankinternen Schätzwert.

Lösung: Lassen Sie den Kaufpreis mit banküblichen Schätzungstools prüfen, bevor Sie den Kaufvertrag unterschreiben. Wir tun das kostenlos für Sie — damit es keine böse Überraschung gibt.
3
Kaufnebenkosten vergessen — und mit zu wenig Eigenkapital dastehen

Eigenkapitalregel: 20 % des Kaufpreises. Soweit bekannt. Was viele nicht einkalkulieren: Die Kaufnebenkosten kommen oben drauf und müssen ebenfalls aus Eigenkapital bezahlt werden — sie sind nicht hypothekenfinanzierbar.

Kaufnebenkosten Schweiz — was Sie einplanen müssen

Grundbucheintrag: 0,1–0,5 % des Kaufpreises (je nach Kanton)

Handänderungssteuer: 0 % (Zürich, Schwyz) bis 3,3 % (Basel-Stadt, Freiburg)

Notariatskosten: CHF 1'000–3'000 pauschal

Schuldbrief (neu): ca. 0,3–0,4 % der Hypothek

Total: Je nach Kanton 1,5–5 % des Kaufpreises

Bei CHF 850'000 in Basel-Stadt: bis zu CHF 42'500 Nebenkosten.

Lösung: Planen Sie neben dem 20 % Eigenkapital zusätzlich 3–5 % für Nebenkosten ein. Total benötigen Sie 23–25 % des Kaufpreises als liquide Mittel.
4
Die falsche Laufzeit wählen — und in der Vorfälligkeitsfalle landen

«15 Jahre Festhypothek — maximale Sicherheit.» Das denken viele Erstkäufer. Und liegen oft falsch. Denn das Leben ändert sich: Jobwechsel, Scheidung, Familienplanung, Umzug. Wer dann die Festhypothek vorzeitig auflösen muss, zahlt eine Vorfälligkeitsentschädigung (VFE) — und die kann massiv sein.

Konkretes Beispiel — CHF 51'000 VFE

Festhypothek CHF 800'000 × 10 Jahre × 1,83 % (abgeschlossen 2022). Verkauf nach 6,5 Jahren — Restlaufzeit 3,5 Jahre. Aktueller Wiederanlagesatz: 1,2 %.

VFE: (1,83 % – 1,2 %) × CHF 800'000 × 3,5 Jahre = CHF 17'640 plus Verwaltungsgebühren. Bei höherer Zinsdifferenz auch CHF 50'000+.

Die richtige Laufzeit hängt von Ihrer Lebensplanung ab — nicht von der aktuellen Zinssituation allein. Wer in 5 Jahren möglicherweise umzieht oder das Objekt verkauft, sollte keine 10-Jahres-Festhypothek wählen.

Lösung: Laufzeit immer auf den realistischen Lebensplan abstimmen. Im Zweifel kürzer und flexibler. Eine Split-Strategie (50 % SARON + 50 % Fest) schützt vor der totalen Bindung.
5
Absicherung vergessen — das Eigenheim als Klumpenrisiko

Das Eigenheim ist für die meisten Familien das grösste Vermögen — und gleichzeitig das grösste Klumpenrisiko. Was passiert, wenn ein Partner stirbt oder invalid wird? Das Einkommen halbiert sich, die Hypothekarzinsen laufen weiter. In vielen Fällen muss das Eigenheim verkauft werden, obwohl kein finanzieller Notstand bestehen müsste.

Ein weiterer blinder Fleck: Die Tragbarkeit im Alter. Was heute mit zwei Einkommen locker finanzierbar ist, kann nach der Pensionierung zur Herausforderung werden — weil das Einkommen auf 50–70 % des letzten Lohns sinkt. Banken prüfen das explizit.

Lösung: Risikolebensversicherung und Erwerbsunfähigkeitsschutz von Beginn an mitplanen. Kosten für ein Paar mit CHF 700'000 Hypothek: oft CHF 80–150/Monat — eine Kleinigkeit verglichen mit dem Risiko. Und: Tragbarkeit im Alter frühzeitig berechnen lassen.

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Bonus: 3 weitere Fallen die Erstkäufer oft übersehen

Liquiditätsreserve vergessen

Nach dem Kauf sollten noch mindestens 3–6 Monatsgehälter auf dem Konto sein. Viele Erstkäufer geben alles ans Eigenkapital — und haben dann keine Reserve für unerwartete Reparaturen, Jobverlust oder persönliche Notlagen. Niemals alles Eigenkapital einsetzen.

Stockwerkeigentum unterschätzen

Bei einer Eigentumswohnung (STWE) tragen Sie nicht nur Ihre eigene Wohnung — Sie sind Miteigentümer des gesamten Gebäudes. Erneuerungsfonds, Gemeinschaftsbeschlüsse, Sonderumlagen: In älteren Gebäuden können jederzeit grosse Zusatzkosten entstehen. Lassen Sie das STWE-Reglement und die Reserven vor dem Kauf von einem Fachmann prüfen.

Pensionskassen-Vorbezug ohne Steuerplanung

Wer Pensionskassengelder für den Hauskauf bezieht, zahlt sofort Kapitalsteuer — und verliert dauerhaft Altersleistungen. Viele Erstkäufer machen das, ohne die Steuerfolgen zu kennen. Alternative: Verpfändung statt Vorbezug. Das Kapital bleibt in der PK, spart die Steuer und dient nur als Sicherheit.

→ Eigenkapital-Regeln Schweiz → Tragbarkeit berechnen → Ratgeber Erstkauf